Wenn die Bahn brennt und die Höhenjäger im Rausch sind

„Hier beginnt deine Saison“ stand in der letzten Woche auf jedem SoundTRACK Plakat. Die Athleten nahmen das wörtlich und zeigten sich zu Saisonbeginn topfit. So fit, dass sogar beinahe ein paar internationale Normen in Tübingen gefallen wären.

Ehrlich gesagt hatte die LAV Stadtwerke Tübingen in den vergangenen Jahren kein glückliches Händchen was eigene Veranstaltungen betraf. Beim reinen Läufer- und Sprintmeeting vor zwei Jahren, hat es so sehr geregnet, dass man gut und gerne auch den Achter des Deutschen Ruderverbands auf die Rundbahn hätte schicken können. Im vergangenen Jahr, beim Sprungmeeting, schien dann zwar die Sonne, aber es war immer noch kalt. Am selben Abend spielten auch noch der FC Bayern München und Borussia Dortmund das DFB Pokalfinale aus. Unglückliches Timing.

Aber in diesem Jahr? Passte alles. Das Wetter war wie gemacht für die Leichtathletik: warm, sonnig, nur ein leichter Wind. In der Fußballbundesliga spielten am Sonntag auch nur Vereine wie Paderborn und Wolfsburg gegeneinander. Ein glückliches Timing – das die Athleten für sich zu nutzen wussten. Und wie.

Hochspringer knapp dran an der internationalen Norm

Die Hochspringer feierten in Tübingen, angetrieben vom DJ, ein wahrliches Höhenfest. David Nopper (LAZ Salamander Kornwestheim Ludwigsburg) schnappte sich mit einem Sprung über 2,18 Meter nicht nur den Stadionrekord sondern reihte sich gleich auf Platz zwei der deutschen Bestenliste ein. Der deutsche Vizemeister, der noch den U23 Junioren angehört, gelang damit der beste Saisoneinstieg seiner Karriere. Beinahe hätte er sogar noch seine persönliche Bestleistung von 2,21 Metern eingestellt. Doch Nopper scheiterte dreimal knapp. „Ich werde in der kommenden Woche bei einem kleineren Sportfest nochmal versuchen die 2,21 Meter zu packen und damit dann die Norm für die U23 Europameisterschaften klarzumachen“, sagte Nopper.

Die Norm hätte im Übrigen auch beinahe Simon Lange (WGL Schwäbisch Hall) gepackt. Nach nur einem geglückten Versuch über 2,12 Metern scheiterte aber auch er ganz knapp an der vom deutschen Leichtathletikverband geforderten Norm für die U20 Europameisterschaften von 2,15 Metern. Drei Zentimeter hätten gefehlt. Das ist ungefähr die Länge von anderthalb Gummibärchen. Ein Hauch, der doch den Unterschied ausmacht.

Die Erfahrung musste letztendlich auch Anne Klebsch (TG Ötigheim) machen. Zwar sprang sie als U20 Athletin mit 1,78 Metern am höchsten von allen Frauen im Starterfeld, landet damit sogar auf Platz eins der deutschen U20 Bestenliste. Aber auch ihr fehlten anderthalb Gummibärchen, um für die Nationalmannschaft bei der U20 EM Starten zu dürfen. 1,81 Meter fordert der DLV.

Zwei fünf Meter Springer im Stabhochsprung

Um eine internationale Norm musste sich Florian Gaul (VfL Sindelfingen) hingegen keine Gedanken machen. Der Stabhochspringer gehört mit seiner Bestleistung von 5,50 Metern aus dem Jahr 2014 zur erweiterten deutschen Spitze und galt damit als bester Springer im Stadtwerke-Stabhochsprung-Cup. Seine Favoritenrolle untermauerte der ehemalige U23 Europameisterschaftsteilnehmer gleich zu Beginn seines Wettkampfes. Seine Einstiegshöhe lag bei 4,80 Meter, also dort, wo schon die Hälfte des Starterfelds die Segel streichen mussten. Der Start lief dennoch etwas holprig. Nachdem sich Gaul schon über 4,80 Meter einen Fehler leistete, kam bei 5,10 Metern nach zwei Fehlversuchen beinahe das aus. Doch dann drehte Gaul auf, überquerte die 5,10 Meter, nahm 5,20 Meter sowie die 5,35 Meter im ersten Versuch. Es war eines der besten Saisoneinstiege, die Gaul je hatte. Nur die 5,40 Meter wollten noch nicht ganz. Da fehlte wieder die nötige Gummibärchenlänge.

Hinter Gaul überquerte Leo Lohre, ebenfalls VfL Sindelfingen, als zweiter Springer die fünf Meter Marke. Dritter wurde, etwas überraschend, der deutsche Zehnkampfmeister Rene Stauß (LAV Stadtwerke Tübingen), der mit 4,70 Metern bis auf einen Zentimeter an seine persönliche Bestleistung herankam. „Nicht schlecht dafür, dass ich den ganzen Tag schon auf den Beinen bin und dabei geholfen habe, alles aufzubauen“, sagte Stauß.

Schnelle 800 und 3000 Meter

Während die Springer sich in einem wahren Höhenrausch befanden, fing auch die Bahn vor etwa 350 Zuschauern an zu brennen. Den Otto-Peetz 3000 Meter Bedachungslauf gewann Dennis Meßmer (LG farbtex Nordschwarzwald) in 8:25,01 Minuten. Einer Zeit, die ebenfalls gut genug für ein Platz auf der deutschen Bestenliste ist. So wirklich gerechnet hatte damit zu Beginn des Rennens aber kein Zuschauer. Zwar peilten die beiden Tempomacher Lorenz Baum und Michael Schramm (beide LAV Stadtwerke Tübingen) eine Zeit von 8:25,00 Minuten an. Der einzige, der ihnen aber auf den ersten vier Runden folgen konnte war Johannes Bergdolt (VfL Sindelfingen). Der jüngste Deutsche Meisterschaftsteilnehmer über 5000 Meter im vergangenen Jahr brach nach Ausstieg der Tempomacher ein, Meßmer zog vorbei und gewann das Rennen. Bergdolt wurde letztendlich vierter. Hinter Alexander Pütsch (LG farbtex Nordschwarzwald, 8:36,54 Minuten) und Markus Weiß-Latzko (Sparda Team Rechberghausen, 8:38,51 Minuten). Besonders erfreulich vor allem aus Veranstaltersicht: gleich sechs Athleten blieben unter neun Minuten.

Dabei waren schon zuvor die Läufe sehr schnell. Über die 800 Meter blieben mit Alexander Stern und Robert Baumann (beide LAV Stadtwerke Tübingen) in 1:57,68 und 1:58,19 Minuten gleich zwei junge Athleten deutlich unter zwei Minuten. Baumann gehört sogar noch der U18 an. Und auch die 3×1000 Meter Staffel der Männer M55 konnten sich ihren Traum vom württembergischen Rekord erfüllen. In 9:31,53 Minuten unterboten Gerold Knisel, Joachim Stuhlinger und Werner Bauknecht den Rekord um mehr als 20 Sekunden. „Jetzt greifen wir den deutschen Rekord an“, sagte Bauknecht etwas schmunzelnd. Wohlwissend, dass der Rekord noch 20 Sekunden entfernt liegt. Mehr als ein paar Gummibärchenlängen.

Sparkassen-Sprint-Cup sorgt für Bestzeiten

Um Längen ging es auch bei den 100 Meter Frauen. Dort entschied nämlich eine Haarlänge zwischen Sieg und Niederlage. Sowohl Milana Tirnanic (Vfl Pfullingen) und Mona Maier (LAV Stadtwerke Tübingen) überquerten die Ziellinie nach 12,03 Sekunden. Am Ende entschied das Kampfgericht beiden den Sieg zuzusprechen. „Ich bin zufrieden mit der Zeit, war ja immerhin neue persönliche Bestleistung“, sagte Mona Maier. „Aber die 12 Sekunden sollen jetzt doch endlich mal fallen.“

Moritz Riekert konnte indes einen Doppelsieg über 100 und 200 Metern feiern. Die 200 Meter rannte der Athlet der LAV Stadtwerke Tübingen sogar so schnell wie noch nie zuvor: nach 21,60 Sekunden stoppte ihn die Uhr. Über eine halbe Sekunde vor dem zweitplatzierten.

Es war also ein guter Tag. Der perfekte Auftakt in die neue Saison – und das SoundTRACK hat die Grundlage dafür gelegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.