Warum der 3000-Meter-Lauf so besonders ist

Der Otto-Peetz 3000 Meter Bedachungslauf wird laut Lauftrainerin Isabelle Baumann ein „richtiger Knaller“. Aber warum eigentlich? Eine Analyse.

Oft werden die 3000 Meter in der Leichtathletikszene nicht gelaufen. Nur während der Hallensaison zählt die Disziplin zum Repertoire der deutschen Meisterschaften. Im Sommer müssen sich die Athleten zwischen 1500 und 5000 Metern entscheiden. Auch bei internationalen Wettkämpfen finden die 3000 Meter während der Freiluftsaison kaum Beachtung. Weder bei den Weltmeisterschaften noch bei den Olympischen Spielen dürfen die Läufe rüber 7 1/2 Runden ran. Nur bei den jährlich stattfindenden Team-Europameisterschaften, einem Art Länderkampf zwischen den besten europäischen Nationalmannschaften, findet die Disziplin noch Beachtung.

Komisch eigentlich. Denn die Disziplin wird gerne bei den Athleten gesehen. Vor allem bei den Mittelstrecklern. Denn der Umstieg von 1500 auf 5000 Metern ist hart. Auf der längeren Distanz werden ganz andere Dinge vom Körper gefordert, als auf der kürzeren. Ein energiesparenderer Schritt zum Beispiel. Oder aber auch eine viel größere Grundlagenausdauer und den Kopf dafür. 12 1/2 Runden sind verdammt lange. So lange, dass sich ein 1500 Meter Läufer niemals freiwillig auf die lange Distanz einlassen würde. Es sei denn der Trainer würde ihn zwingen.

Dabei ist es für das Training absolut sinnvoll auch mal ein Rennen zu laufen, dass etwas länger ist als die eigene Spezialdisziplin. Überdistanz nennt man dann das. Der Körper soll sich auch mal daran gewöhnen unter wettkampfbedingungen länger zu laufen. Die Mittelstreckler nehmen deswegen die 3000 Meter dankend an. Am Wochenende läuft zum Beispiel die frisch gebackene deutsche Vizemeisterin über 800 Meter in der Halle, Kerstin Marxen (TSV Gomaringen), im Otto-Peetz Bedachungslauf. Oder auch Dennis Meßmer (LG farbtex Nordschwarzwald), neunter bei den letztjährigen deutschen U20 Meisterschaften.

Langstreckler fühlen sich auf 3000 Metern wohl

Umgekehrt ist es auch für die 5000 Meter Läufer wichtig, schnellere Sachen zu laufen, um die eigene Schnelligkeit zu verbessern. Für sie wäre der Umstieg von 5000 auf 1500 Meter glatter Selbstmord. Die Beine, ausgelegt auf ein langes gleichmäßiges Rennen, würden nicht mehr hinterherkommen. Dann doch lieber 3000 Meter. So wird sich unter anderem Johannes Bergdolt (VfL Sindelfingen), der sich im vergangenen Jahr als jüngster Athlet für die deutschen Meisterschaften der Erwachsenen qualifizierte, über die kürzere Distanz versuchen. Ebenso wie Markus Weiß-Latzko (Sparda-Team Rechberghausen), der eigentlich sogar vom Marathon kommt. 2013 war er der schnellste Deutsche beim Frankfurter Marathon. Dieses Jahr wollte es wegen Rückeproblemen nicht ganz beim Hamburger Marathon klappen. Deswegen der kurzfristige Wechsel auf die Bahn.

Wo das alles hinführen wird, wird man sehen. Bei den Frauen kann man davon ausgehen, dass eine Zeit von unter 9:50 Minuten möglich ist. Marxen hat eine Bestzeit von 9:35 Minuten stehen. Womöglich wird sie sich sogar mit Anais Sabrie (LAV Stadtwerke Tübingen) duellieren müssen. Die Nikolauslaufsiegerin von 2014 zeigt sich seit Monaten in unglaublich starker Verfassung.

Bei den Männern könnte alles auf eine Zeit unter 8:30 Minuten hinauslaufen. Das wäre momentan schon mal eine Top 10 Platzierung in der deutschen Bestenliste wert. Vor allem weil mit Simon Dörflinger (Vfl Sindelfingen, PB 8:20,85 Minuten) und Joachim Krauth (VfL Sindelfingen, PB 8:28,25 Minteun) zwei Athleten dabei sind, die schon unter 8:30 gelaufen sind. Neben den 3000 Metern in Pliezhausen und Köngen zählt der Otto-Peetz-Bedachungslauf damit zu den stärksten 3000 Meter Rennen der Region.

Kein Wunder. Wird die Strecke doch relativ selten Angeboten. Obwohl sie ideal für so viele Athleten ist.

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