Nachbericht: Der Saisoneinstieg ist immer hart

Schnell sollte es werden, beim Soundtrack der LAV Stadtwerke Tübingen. Und schnell wurde es. Unter prominenter Besetzung zeigten vor allem die Mittelstreckenläufer beim Internationalen Meeting auf der blauen Bahn der Universitätsstadt packende Rennen. Für WM-Normen reichte es noch nicht, dafür knackte 400-Meter-Spezialistin Laura Müller auf den Unterdistanzen gleich zwei U23-EM-Normen.

Bericht von Julia Schröder

Für die Norm für die Weltmeisterschaften in London (Großbritannien; 4. bis 13. August) hat es bei Christina Hering über die 800 Meter nicht ganz gereicht. Noch nicht. Denn mit 2:02,30 Minuten ist die Olympiateilnehmerin der Spiele in Rio (Brasilien) bereits in der Nähe der 2:01-Minuten-Marke gelaufen. Besonders die starke Zielgerade stimmte die Athletin der LG Stadtwerke München entsprechend zuversichtlich. „Ich hätte die Norm zwar schon heute gern mitgenommen, aber das erste Rennen der Saison ist immer hart. Aber vorallem der Endspurt hat mir gezeigt: Diese Zeit kann ich noch toppen.“

Pace-Markerin und 400-Meter-Spezialistin Ewelina Ptak war Hering allerdings keine Hilfe. Mit 26 Sekunden ging sie die ersten 200 Meter für die 800-Meter-Läuferinnen zu schnell an. „Als Erste ins Ziel zu kommen, ist trotzdem immer super“, meinte die Münchnerin. Mit den Ukrainerinnen Olha Lyakhova (2:02,50 min) und Olena Sidorska (2:03,76 min) ließ sie gleich zwei starke Konkurrentinnen hinter sich. Mareen Kalis wurde in ihrem ersten Aktivenjahr in 2:05,00 Minuten Siebte.

Benedikt Huber schnellster 800-Meter-Läufer

In 1:48,68 Minuten entschied Benedikt Huber (LG Telis Finanz Regensburg) das 800-Meter-Rennen der Männer für sich. Die Norm von 1:45,90 Minuten für die Weltmeisterschaften haben der 27-jährige Ingenieur und der Slowake Jozep Repcik (M30) damit klar verpasst. „Für mich war das aber auch noch gar nicht das Ziel“, sagte Huber, der im Vorfeld mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte. „Ich wollte viel lieber mal gar nicht so viel an die Zeit denken, sondern mit viel Spaß einen schönen Lauf ‚Mann gegen Mann‘ zeigen.“ In Tübingen war dieser Mann Repcik, der das Rennen bis zur 600-Meter-Marke angeführt hatte. Mit einem starken Schlusssprint ließ Huber den zweifachen Olympiateilnehmer letztlich jedoch hinter sich – „ein richtig gutes Gefühl“ (Huber).

Gleich vier Athletinnen, die unter 4:10 Minuten bleiben können, kündigte Stadionsprecherin und Trainerin Isabelle Baumann über 1.500 Meter an. Mit einer Siegerzeit von 4:09,57 Minuten gelang das der Rumänin Claudia Bobocea knapp – ebenso der Britin Sarah McDonald, die nach 4:09,70 Minuten als Zweite ins Ziel kam. Diana Sujew wurde in 4:13,16 Minuten Fünfte. „Das erste Saisonrennen ist immer hart. Hier in Tübingen haben wir ein gutes erstes Rennen gefunden“, sagte die Athletin der LG Eintracht Frankfurt.

Europas schnellstes Rennen der bisherigen Saison bekamen die Tübinger Zuschauer beim 1.500-Meter-Lauf der Männer zu sehen. Nach der Absage von Deutschlands Spitzenläufer Homiyu Tesfaye (PB: 3:31,98 min) entschied der Belgier Ismail Debjani das Rennen in 3:39,65 Minuten für sich. Er ließ damit den Briten Robbie Fitzgibbon (3:40,38 min) und den Niederländer Thijmen Kupers (3:40,54 min) hinter sich. Letzterer war nach seinem Start in Shanghai (China) in der vergangenen Woche „mit der Möglichkeit, hier zu starten sowie dem Rennverlauf wirklich sehr glücklich“.

Claudia Salman-Rath zufrieden mit Saisoneinstieg

Zufrieden mit ihrem Saisoneinstieg war auch Claudia Salman-Rath. Mit 6,45 Metern übertraf die Hallen-EM-Dritte im Weitsprung nicht nur die Konkurrenz, sondern auch gleich die eigenen Erwartungen. Und das, obwohl die Anlage mit den markierten Zonen nicht leicht zu springen ist. „Das wertet das Ergebnis gleich nochmal auf“, freute sich die Mehrkämpferin der LG Eintracht Frankfurt. Mit sichtlicher Freude am Sport feuerte die eigentliche Siebenkämpferin auch die Konkurrentinnen an und brachte das Publikum zum Mitklatschen. „Zusammen mit der Musik macht das hier richtig Laune“, strahlte sie.

Weniger gut lief es für Stabhochspringer Malte Mohr. Rückenschmerzen verhinderten das geplante Freiluft-Comeback des zweimaligen Hallen-Vize-Weltmeisters (PB: 5,91 m), der den Wettkampf nach dem Einspringen beendete. „5,50 Meter hatte ich mir als Wiedereinstieg eigentlich vorgestellt“, sagte er, fügte jedoch hinzu: „Hier hat dann der Kopf einfach nicht mitgemacht.“ Zu viele Gedanken kostete der verletzte Rücken. Den Wettbewerb gewann der Pole Pawel Wojciechowski mit übersprungenen 5,70 Metern.

In den Sprint-Disziplinen lag der Fokus vor allem auf Olympia-Teilnehmerin Laura Müller. Die 400-Meter-Spezialistin des LC Rehlingen absolvierte die 200 Meter in 23,14 Sekunden und gewann damit vor der Niederländerin Naomi Sedney (23,42 sec) sowie Lokalmatadorin und Langhürdlerin Jackie Baumann (24,04 sec). Laura Müller knackte mit dieser Zeit die Norm für die U23-Europameisterschaften in Bydgoszcz (Polen). Gleiches gelang ihr als Zweitplatzierte über die 100 Meter (11,52 sec).

Die kompletten Resultate finden Sie hier.