Nachbericht: Für die Athleten nur das Beste

Unglaublich, was sich am Sonntagnachmittag alles im Tübinger SV03 Stadion abgespielt hat. Stadionrekorde, Bestleistungen, fünf (!) top besetzte 800-Meter-Läufe. Dies ist ein Versuch das alles in Worte zusammenzufassen – und zu erklären, wie es im nächsten Jahr weitergehen soll.

Schon Stunden bevor das Soundtrack begann, saß Adrian König-Rannenberg im Tübinger SV03 Stadion herum. Nicht, weil er wollte, sondern weil er keine andere Wahl hatte. Schließlich fährt nur alle paar Stunden ein Fernbus aus seiner Heimat München nach Tübingen. Also war der 800-Meter-Läufer früh morgens aufgestanden, dreieinhalb Stunden mit dem Bus durch zwei Bundesländer gefahren, um Nachmittags zu laufen – und abends wieder mit dem Fernbus zurückzufahren. Man könnte König-Rannenberg jetzt als verrückt bezeichnen. Aber der Athlet der LG Stadtwerke München sagte schon vor Wettkampfbeginn: „Ich will noch einmal in dieser Saison schnell laufen. Jetzt zum Ende der Saison hin gibt es dafür nicht mehr so viele Gelegenheiten.“ In Tübingen aber, meinte König-Rannenberg, würde sich die perfekte Gelegenheit bieten.

Die Bedingungen waren ja so gut wie selten bei einem Leichtathletik-Wettkampf: 184 Starter waren am Sonntagnachmittag ins Stadion geströmt, um sich über 100, 200, 800 und 3000 Meter sowie im Speerwurf, Hoch- und Weitsprung zu messen. Sie kamen nicht nur aus ganz Baden-Württemberg sondern auch aus Berlin, aus Regensburg, aus Düsseldorf und aus Frankfurt. Dazu lauwarme Temperaturen, zeitweise Windstille und hunderte von Zuschauer, die in der Startkurve manchmal in Dreier-Reihen standen, um einen Blick auf die Läufer, Springer und Werfer erhaschen zu können. Wenn nochmal schnell gelaufen wird, hoch geflogen oder weit gesprungen wird, dann hier, hörte man viele Athleten sagen.

Ein Lauf, den man nur selten so schnell vorfindet

Tatsächlich lieferten die Athleten dann auch ein herausragendes Resultat nach dem anderen ab. So gewann Stefan Hettich (TSV Gomaringen) den 800-Meter-Lauf in einem neuen Stadionrekord von 1:49,88 Minuten vor Christian Döring (TSG Schwäbisch Hall/1:52,58 Minuten) und eben jenem König-Rannenberg, der nach 1:52,99 Minuten im Ziel eintraf. Dazu konnte auch noch der Tübinger-Nachwuchsathlet Robert Baumann die U20 Wertung gewinnen, der seine Bestleistung gleich um drei Sekunden auf 1:53,24 Minuten verbesserte – und danach vor lauter Ungläubigkeit die Arme über dem Kopf zusammenschlug. Selbst der zweite von insgesamt fünf Läufen wurde in 1:56,54 Sekunden (Yannic Voss/TSV Gomaringen) noch in einer Zeit deutlich unter zwei Minuten gewonnen. Thea Heim (LG Telis Finanz Regensburg), Siegerin bei den Frauen, landete mit ihrer Zeit von 2:06,89 Minuten sogar auf Platz 13 der deutschen Bestenliste. „Solche 800-Meter-Rennen wie heute, von so einer Klasse, erlebt man nur sehr selten in Baden-Württemberg“, sagte Isabelle Baumann, Lauftrainerin der LAV Stadtwerke Tübingen, hinterher.

Auch der 3000-Meter-Lauf stand dem in nichts nach. Bei den Männern gewann John Kosgei Kiprop von run2gether in 8:28,82 Minuten. Bei den Frauen durfte sich Hannah Arndt (LV Pliezhausen 2012) nicht nur über den Sieg, sondern auch über eine neue persönliche Bestleistung von 10:07,79 Minuten freuen.

Springer gut aufgelegt

Aber auch die Springer zeigten sich in Tübingen in Bestform. Anne Klebsch (TG Ötigheim) sprang mit 1,82 Meter bei etwas böigem Wind bis auf drei Zentimeter an ihre persönliche Bestleistung heran und gewann deutlich vor Lena Bryxi (SSV Ulm 1846/ 1,73 Meter). Bei den Männern war der Sieger dagegen nicht allzu schnell auszumachen. Weil Martin Günther (LG Eintracht Frankfurt) sich kurzfristig für einen Start entschied, entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit David Nopper (LAZ Salamander Kornwestheim-LB). Beide Athleten waren bis 2,14 Meter gleichauf, dann aber zog Günther davon, als er die 2,18 Meter in seinem dritten und letzten Versuch nahm.

Im Weitsprung hatte Gianni Seeger (TSV Gomaringen) nicht nur das Ziel, den Sieg zu holen, sondern sich auch so langsam auf die bevorstehende U20-Weltmeisterschaft im polnischen Bydgoszcz einzustimmen. „Aufgeregt bin ich noch nicht“, so Seeger, der den Wettkampf in 7,19 Metern für sich entschied. „Das wird vermutlich erst vor Ort kommen.“ Trotzdem bewies er in Tübingen, dass er nicht nur weit springen, sondern auch das Publikum an sich reißen kann. Immer wieder forderte er die Zuschauer zum mitklatschen auf. Etwas ruhiger ließ es dagegen Jessie Maduka (ART Düsseldorf) angehen, die mit 6,17 Metern den einzigen Sechs-Meter-Sprung des Tages bei den Frauen zustande brachte.

LAV Stadtwerke Tübingen will Soundtrack im nächsten Jahr ausbauen

Angesichts solcher Resultate und so viel Zuspruch bei den Athleten und Zuschauern, waren sich auch die Organisatoren der LAV Stadtwerke Tübingen einig, das Soundtrack auch im nächsten Jahr weiterzuführen. „Dieses Jahr fangen wir erst langsam an und nächstes Jahr starten wir dann richtig durch“, meinte das Vorstandsmitglied Tom Schleich mit etwas ironischem Unterton. Tatsächlich hatte die Veranstaltung schon vor Beginn alle Erwartungen übertroffen. „Mit so viel Meldungen hatte tatsächlich keiner gerechnet“, sagte Mit-Organisatorin Susanne Göhring. Selbst der Hauptsponsor der LAV, die Stadtwerke Tübingen, zeigten sich begeistert: „Ich war begeistert von der Stimmung und den gebotenen Leistungen der Athleten beim Soundtrack“, sagte Johannes Fritsche, Abteilungslieter Kommunikation und Marketing der SWT. „Das Starterfeld war exzellent besetzt und die Verbindung aus Sport und Sounds hat das größte Leichtathletikevent der Region zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Die Veranstaltung hat sich toll entwickelt. Darüber freuen wir uns gemeinsam mit der LAV Stadtwerke Tübingen sehr und wünschen uns eine Wiederholung im nächsten Jahr.“

In den kommenden Wochen soll nun entschieden werden, wann das Soundtrack im kommenden Jahr stattfindet. Damit so Athleten wie König-Rannensberg wieder eine Gelegenheit kriegen, um schnell laufen zu können.